Hat die Musikindustrie jahrelang auf das falsche Pferd gesetzt? Für Kenner der Szene ist es keine Überraschung, dass die Strategie der Schallplattenfirmen seit Jahren in die falsche Richtung zielt.
Der immer stärker werdenen Konkurenz aus illegalen Downloads setzte man kurzlebige und qualitativ minderwertige Acts entgegen. Kein Wunder, dass sich der Konsument mit Grausen abwandte und die Verkaufszahlen von CD´s in den Keller rasselten. Es ist geradezu absurd, dass jetzt diese Entwicklung ausgerechnet von einer Casting Show Teilnehmerin konterkariert wird.
Die 48-jährige Hausfrau Susan Boyle, Zweite der britischen Talenteshow “Britain got Talent” zertrümmert gerade aller Verkaufrekorde weltweit. 1,2 Mio. verkaufte CD´s in der ersten Woche, 2,3 Mio. nach gerade 14 Tagen, “I dreamed a dream” straft alle Kritiker Lügen, die behaupten, dass sich Qualität nicht mehr verkauft. Es ist offensichtlich, dass Boyles Käuferschicht keine Ahnung von illegalen Downloads hat, ja nicht einmal weiß, dass diese überhaupt existieren.
Mit diesem Erfolg wird deutlich sichtbar, dass die Musikindustrie an ihren Zielgruppen bisher vorbeiproduziert hat. Die 10 – 30 jährigen haben sich längst von den klassischen Vertriebswegen abgewandt und besorgen sich ihre Lieblingsmusik im Netz. Sie werden auch nicht mit Kurzzeitstars nicht zu halten sein und sind als Käufer längst verloren.
Jene Käuferschichten, die mit Internet und Downloads nicht am Hut haben, also 35 + sind aber immer noch bereit die für eine gute CD geforderten Euros auf den Tisch zu legen. Ähnliches konnte man bereits vor einigen Jahren am Erfolg von Norah Jones beobachten.
Die Künstler selbst haben sich mit der neuen Situation am Markt längst arrangiert und holen sich ihre Geld bei Livekonzerten und in der Werbung.
Sollte es den Plattenbossen also gelingen sich wieder auf die Produktion hochwertiger Produkte (ein häßliches Wort, ich weiß aber hier unterscheidet sich Kunst nicht von Wirtschaft) zu konzentrieren und einem Künstler Zeit für seine Entwicklung zu geben, dann hat die Branche durchaus Chancen zu überleben.
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