Am Tag nach dem Raubüberfall auf die European Poker Tour im Berliner Luxushotel Grand Hyatt schien alles klar zu sein. Die Berliner Polizei und vor allem deren Gewerkschaft sprach von „Dilettanten am Werk“, einer „neuen Dimension der Dummheit“ und „wir kriegen die Täter“.
Kein Wunder hatten die Pokerräuber doch derart viele Spuren am Tatort hinterlassen, dass eine Verhaftung innerhalb von Stunden nur noch reine Formsache schien. Spätestens seit der Einführung des Farbfernsehens in den späten 60er Jahren sollte jeder Gauner wissen, dass einem die eigenen Fingerabdrücke zum Verhängnis werden können. Ganz zu schweigen davon, dass man sich beim Überfall nicht fotografieren oder gar filmen lassen sollte. Wenn sich die Kameras schon nicht vermeiden lassen, dann ist es auf jeden Fall ratsam die Maske erst dann abzunehmen, wenn man unbeobachtet ist.
All das war für die Täter offenbar kein Problem, denn trotz einer Masse an verwertbaren Spuren und einer vollständigen Dokumentation des Überfalls auf Video ist es der Polizei bisher nicht gelungen die Poker Räuber ausfindig und dingfest zu machen. Nicht genug damit, die Beamten verhafteten vor einigen Tagen auch noch einen völlig Unschuldigen, der zur Tatzeit ein hieb- und stichfestes Alibi vorzuweisen hatte. Die Blamage der Berliner Polizei ist damit offenbar perfekt.
Natürlich fordert die CSI verwöhnte Öffentlichkeit die rasche Aufklärung, schließlich kennt man die Methoden der Kriminallabors dank der amerikanischen Erfolgsserien mittlerweile bis in den entlegendsten Winkel dieses Planeten. Die großspurige Ankündigung der Polizei die Täter von Berlin rasch zu fassen, erweist sich in der Zwischenzeit als Bumerang. Einflussreiche Medien wie die „Bild-Zeitung“ beginnen sich bereits auf die Ermittler einzuschießen. Man sollte eben das Fell des Bären erst dann verteilen, wenn er wirklich erlegt ist.
Die Stellungnahmen nach der blamablen Enthaftung des Verdächtigen klingen bereits nach Resignation. Bleibt zu hoffen, das die Täter damit beginnen mit Geld um sich zu werfen. Das hat schon jenen Tätern, die vor einigen Wochen ein Casino in Wien überfallen haben, das Genick gebrochen.
Glück muss man haben. Vom massiven Druck der Medien offenbar in die Knie gezwungen hat sich der erste der Räuber selbst gestellt. Mit Hilfe seines Geständnisses sollte es jetzt doch noch gelingen die Täter zu fassen.
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Ich finde es schon krass, was hier in Deutschland neuerdings los ist. Ich komme mir vor wie im Wilden Westen…